Topologie des Dunkels

Topologie des Dunkles
Topologie des Dunkles

Topologie des Dunkels

Im Raum, wo nichts atmet, 
spannt sich Dunkelheit 
wie ein stummer Riss 
durch das Gerüst der Zeit. 

Gedanken treiben dort 
als formlose Fragmente, 
ohne Ursprung, 
ohne Ziel, 
nur Bewegung im Abgrund. 

Stille wächst 
zu einem schweren Knoten, 
der jedes Wort verschluckt, 
bevor es Schatten wirft. 

Kein Blick, 
keine Stimme, 
nur das langsame Gleiten 
namenloser Strukturen, 
die sich falten, 
lösen, 
vergehen. 

Und jenseits davon 
ruht ein schwarzer Punkt, 
unberührt, 
unbefragt, 
ein Kern aus reinem Nichtsein, 
wartend. 

© Christopher Steffler


Im eigenen Schatten

Im eigenen Schatten
Im eigenen Schatten

Im eigenen Schatten

Die Schatten tragen meinen Namen,
sie flüstern ihn wie ein Urteil.
Ich gehe durch mein eigenes Schweigen,
und jeder Schritt klingt wie Verrat.

Ich war der Funke, der sich heilig nannte,
doch brannte nur die Welt um mich.
Ich suchte Schuld in fremden Händen,
um meine eigene nicht zu spüren.

Die Krone, die ich mir erlog,
schneidet tiefer als die Wahrheit.
Und jeder Blick, der mich erkennt,
wird schnell zum Feindbild meiner Angst.

Ich opfere mich in kleinen Stücken,
Tag für Tag, fast unbemerkt.
Ein stilles Massaker an mir selbst,
verhüllt in einem Lächeln aus Licht.

Und wenn ich falle, fällt nur das,
was nie getragen wurde:
ein König ohne Reich,
ein Herz ohne Gnade,
ein Mensch, der sich im Spiegel
nicht mehr kennt.

© Christopher Steffler


Schwarzer Puls

schwarzer Puls
schwarzer Puls

Schwarzer Puls

Ich trage meinen Zorn wie eine zweite Haut,
vernarbt, doch lebendig.
Er wächst in mir wie ein Tier,
das lange genug geschwiegen hat.

Die Nacht kennt meinen Atem,
sie hält ihn fest wie ein Schwur.
Ich reiße mich aus ihrem Griff,
um endlich wieder zu brennen.

Kein Engel wagt sich in mein Licht,
es flackert zu unrein.
Doch ich stehe hier,
ein Sturm aus Fleisch und Wille.

Ich schulde niemandem Vergebung,
am wenigsten mir selbst.
Ich breche, was mich hält,
und nenne es Auferstehung.

Und wenn ich falle,
dann nicht leise,
sondern wie ein Herz,
das sich weigert,
still zu bleiben.

© Christopher Steffler


Letzte Liturgie

Letzte Liturgie

Letzte Liturgie
Letzte Liturgie
Ein Flüstern dringt durch kahle Mauern,
gebrochene Stimmen, die beten und flehen.
Ein Altar aus Staub, aus Blut und aus Schatten,
wo Engel fallen und Heilige stehen.

Die Kerzen flackern, die Welt verzerrt sich,
ein leises Versprechen, das niemand versteht.
Denn wo Licht war, wächst nun die Stille,
in der Dunkelheit, die niemals vergeht.

Ich gebe mein Herz an die gierigen Flammen,
ein Schatten der Sünden, ein lautloser Schrei.
Erlösung ist nichts als ein Wort ohne Wahrheit,
ein Traum aus Glas, der zerbricht neben mir.

Und wenn die Glocken zum letzten Mal klingen,
werde ich lächeln, wenn alles vergeht.
Denn was bleibt, ist der Klang meiner Stimme,
ein Lied aus Asche, das niemand versteht.

Der letzte Bote

Der letzte Bote

Der letzte Bote
Der letzte Bote
Er stand dort, lange vor dem ersten Licht,
als Stille noch Form war und Schöpfung zerbrach.
Ein Lächeln aus Feuer, ein Flüstern aus Rauch,
kein Engel, kein Mensch, nur grenzenlos wach.

Die Namen vergessen, die Stimmen verdorrt,
nur Dunkelheit bleibt, sein ältester Freund.
Kein Himmel für ihn, kein Abgrund zu tief,
nur das ewige Fallen, das niemand mehr nennt.

Ist er Feind oder Wahrheit, Versuchung oder Pflicht?
Ein Spiegel, verzerrt, doch ehrlich und klar.
Denn wo Hoffnung stirbt, wo Zweifel beginnt,
sieht man ihn lächeln, so seltsam, so nah.

Und wenn du ihn fragst, ob Schuld ihn zerfrisst,
dann lacht er nur leise, Gott gab ihm nichts.
Ein König ohne Reich, ein Schatten aus Glut,
ein Fluch, eine Frage, und niemand versteht.

Stille unter alten Steinen

Stille unter alten Steinen

Stille unter alten Steinen
Stille unter alten Steinen
Die Schritte hallen über den kalten Boden, 
einsam in der tiefen Schwärze der Nacht.
Namen verblassen unter der Zeit,
versunken in gebrochenem Stein,
wo Risse sich wie Schatten winden,
und längst vergangene Stimmen tragen.
Nebelschwaden ziehen langsam über den Mond,
während ein leises Flüstern durch die Dunkelheit streift.

Stumme Kreuze ragen aus der Erde,
von Efeu sanft umschlungen,
als wäre die Zeit hier stehengeblieben,
als hätten die Schatten längst gelernt,
dass Erinnerungen verblassen.

Ein Flüstern in der Ferne,
kaum mehr als ein Hauch.
Ist es der Wind, der durch die Gräber streift?
Oder sind es Stimmen,
gefangen zwischen den Steinen,
verloren in der Stille?
Die Nacht bewahrt ihre Geheimnisse,
während der Friedhof weiter träumt,
verborgen im sterbenden Licht.

Doch keine Angst wohnt hier, keine Hast.
Nur Frieden, tief und still.
Dunkelheit trägt ihre eigene Schönheit,
bewahrt alte Liebe, vergessene Geschichten.
Und die Stille spricht,
sanft, unaufdringlich, näher, als gedacht.

Grollen in der Stille

Grollen in der Stille

Grollen in der Stille
Grollen in der Stille
Er sitzt in mir, er wacht und spricht,
ein Grollen tief in dunkler Schicht.
Er kennt kein Licht, nur kalte Gier,
in der Tiefe verborgen und stets hier.

Sein Atem streift die müde Haut,
er spinnt aus Zweifeln dunkles Grau.
Es hallt sehr laut durch leere Zeit,
vergiftet Hoffen, sät das Leid.

Ich renne fort, doch bleibe ich stehen,
er kann auch durch die Stille sehen.
Ein Kreis, der niemals enden mag,
ein Schmerz krallt sich fest, jeden Tag.

Und wenn ich schreie, so lacht er leise,
ein stummer Zeuge meiner Reise.
Ich kämpfe, falle, steige auf,
doch flüstert er: „Ich bleib‘ im Lauf.

Die Stille danach

Die Stille danach

Die Stille danach
Die Stille danach
Die Glocken verstummten,
der Rauch steigt hoch,
nichts blieb von den Worten,
nichts blieb von dem Lied.
Das Flüstern aus Asche,
das Brennen der Glut,
verloren im Niemandsland,
fern jeder Wut.

Die Schritte verhallen,
kein Ziel, keine Spur,
ein Atemzug später,
sehr fremd in der Zeit.
Kein Flüstern mehr übrig,
nur Schweigen, das bleibt,
was wird geschehen,
nichts ist gewiss.

Die Hände noch bebend,
die Stimme noch leer,
ein letzter Gedanke,
verblasst und doch schwer.
Der Abgrund geflüstert,
die Stimme ist fort,
doch wer bin ich nun,
an diesem Ort?